Azougui

Auch genannt: Azūkī, Azuggi, Azouegua

Zwischen Almoraviden und dem Erg Amatlich

Natürliche Schönheit oder kulturelles Erbe? Azougui ist beides. Einerseits ist der Ort nahe Atar von historischer Bedeutung, andererseits ein faszinierendes Natur-Paradies. Hier nahm die Dynastie der Almoraviden ihren Ursprung, die zur Hochzeit ein Gebiet von Aoudaghost bis Andalusien beherrschte. Und so schrieb bereits al-Idrisi, einer der bedeutendsten arabischen Geographen: „Wer die im Sudan gelegenen Länder Sila, Takrur und Ghana aufsuchen will, kann diese Stadt nicht umgehen.“ Dass militärische und wirtschaftliche Macht auch bei einer so frommen Dynastie wie den Almoraviden mit der Förderung theologischer Studien einherging, überrascht nicht. Noch heute in Azougui zu besichtigen ist daher das Grabmal des bekannten al-Imam al-Hadrami, der im 11. Jahrhundert als Theologe und Jurist wirkte. Bei einem Besuch nicht auslassen sollte man die eindrucksvollen Felsgravuren. Mauretanien kämpft darum, dass neben Chinguetti, Ouadane, Oualata und Tichitt auch Azougui den Status als Weltkulturerbe der UNESCO erhält. Der Ort ist heute ein bescheidenes, doch weitläufiges Dorf, bestehend aus traditionellen Tikkits und Zelten. Aus touristischer Perspektive würde sich der Besuch tatsächlich auch lohnen, wenn es die Almoraviden nie gegeben hätte. Die beeindruckende Landschaft voller wunderschöner Sanddünen am Rande des Erg Amatlich allein ist die Reise wert. Von Atar ist es übrigens nur ein (4x4-)Katzensprung bis nach Azougui.


Highlights

  • Grab Imam Hadrami
  • Felsgravuren
  • Dünenlandschaft
  • Dattelhaine

Azougui - vielfältige Landschaft

Wie so oft in Mauretanien ist auch in Azougui die historische Wichtigkeit des Ortes nicht auf den ersten Blick erkennbar. Man könnte das Dorf der Sanddünen wegen besichtigen, man könnte einen Besuch für einen ungestörten Einblick in die Kultur des ländlichen Mauretaniens erhalten, man könnte die Vielseitigkeit des Ortes für Kameltouren oder Allrad-Ausflüge nutzen oder sich abends die untergehende Sonne in der endlosen Weite des Erg Amatlich ansehen. All das könnte man und wir legen jedem nahe, das bei Interesse auch zu tun. In Azougui aber wurde Weltgeschichte geschrieben und das ist der entscheidende Unterschied zu vergleichbar schönen Dörfern.

Geburtsort der Almoraviden

Nach der Auflösung des für die Geschichte Mauretaniens so wichtigen Sanhadscha-Bundes  kam es zu einer Phase der Unruhe in Westafrika, aus der im 11. Jahrhundert die Dynastie der Almoraviden siegreich hervorging. Hier steckt die Frömmigkeit übrigens schon im Namen. Almoraviden stammt von arabisch al-Murābiṭūn, was sich wiederum mit Bewohner des Ribāṭ übersetzen lässt. Ein Ribāṭ aber war in der islamischen Frühzeit eine Grenzbefestigung, die das Gebiet des Dār al-Islām (Haus des Islam) von dem Dār al-Ḥarb (Haus des Krieges) trennte. Später bezeichnete der Begriff Ribāṭ einen Sufi-Konvent, unabhängig vom tatsächlichen Standort. Diese so religiös begründete Herrschaft der Almoraviden beherrschte Anfang des 12. Jahrhunderts ein Gebiet von Aoudaghost bis ins andalusische Saragossa. Und ihre erste Hauptstadt war… Azougui! Von hier aus nahm alles seinen Ursprung unter Yannu bin Umar. Wo Herrschaft, da Wirtschaft. Azougui wurde zu jener Zeit ebenfalls ein notwendiger Zwischenstopp im Transsaharahandel.  Der Chronist Al-Bakri berichtet von einer Festung, die von 20.000 Palmen umgeben war. Doch währte das Glück von Azougui und den Almoraviden nicht lange. Die Dynastie ging bereits Mitte des 12. Jahrhunderts unter und wurde durch die Almohaden ersetzt.

Von Märchen und Ruinen

Ruinen und archäologische Fundstätten aber finden sich noch heute in Azougui. Und auch das Grabmal des bedeutenden Theologen al-Imam al-Hadrami befindet sich noch in der Stadt. Vom tunesischen Kairouan kommend, verbrachte er den größten Teil seines Lebens in Azougui und schrieb politische und theologische Abhandlungen. Sein Grab, das in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts „wiederentdeckt“ wurde, war und ist Grundlage zahlreicher Legenden. Auf diese Weise hat al-Hadrami Einzug in lokale Volksmärchen gefunden und wird nach wie vor verehrt. Bei einem Besuch nicht auslassen sollte man die eindrucksvollen Felsgravuren, die aus einer Zeit lange vor den Almoraviden stammen. Wie oben beschrieben, ist Azougui heute ein bescheidendes und traditionelles Dorf. Die Wasserversorgung wird aus Atar sichergestellt. Im Sommer sind hingegen um ein Vielfaches mehr Einwohner zugegen. Viele nutzen die Gelegenheit, um diese Monate auf dem Land zu verbringen. Mauretanien kämpft darum, dass neben Chinguetti, Ouadane, Oualata und Tichitt auch Azougui den Status als Weltkulturerbe der UNESCO erhält.

ChingiTours & Azougui

Wir empfehlen einen Aufenthalt in Azougui mit eventueller Übernachtung. Es existieren sowohl Auberges als auch zahlreiche Möglichkeiten für eine Nacht im – traumhaften – Freien. Man könnte Atar mit einem Besuch Azouguis verknüpfen oder von dort aus nach Choum fahren. Auch Kameltouren und Allrad-Erlebnisse sind problemlos realisierbar. 


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Häufig gestellte Fragen (FAQ) zu Azougui

Wo befinden sich Felszeichnungen in Azougui?
Die Felszeichnungen befinden sich im Nordwesten des Ortes.
Welche Bedeutung hat das Grab Imam Hadramis heute?
Das Grab selbst ist trotz seiner äußerlichen Bescheidenheit heute noch Pilgerstätte für manche Muslime. In einer sufisch geprägten Gesellschaft wie der mauretanischen kommt Grabmälern von religiösen Gelehrten große Bedeutung zu.
Wie wichtig ist Azougui für die mauretanische Geschichte?
Beginnend mit prähistorischen Felszeichnungen war Azougui später sowohl wichtig für die Sanhadscha-Berber als auch für die Dynastie der Almoraviden. Von hier aus wurden Feldzüge gegen das südliche Ghana-Reich geplant und durchgeführt. Einige Mauerreste der weitläufigen Festung des 11. Jahrhunderts sind heute noch in Teilen vorhanden.
Wie viele Dattelarten gibt es in Azougui?
In Azougui werden mehr als 10 verschiedene Dattelsorten angebaut.