Aoudaghost

Auch genannt: Audaghost, Awdaghusht, Audaġūst, Awdaghost, Awdhaghurst, Tegdaoust, Tiġdaust, Tagdawst, Wagadu

Die Legende inmitten der Wüste

Einst eine der wichtigsten Handelsstädte Westafrikas, findet man Aoudaghost heute nicht einmal bei Google Maps. Stattdessen ist es Tegdaoust, nach dem man suchen muss, um den Standort der ehemaligen Metropole abzufragen. Nun, Challenge accepted. Die Mühe lohnt sich jedenfalls, in Aoudaghost finden sich die Ruinen einer der historisch bedeutendsten Städte des Landes. Hochzeit und Niedergang des Ortes waren eng mit der Entwicklung des Ghana-Reiches verbunden. Kriege und das Aufblühen neuer Städte wie Oualata führten zum Bedeutungsverlust Aoudaghosts. Erst 1927 konnte der Ort wieder lokalisiert werden und umfangreiche Ausgrabungsarbeiten begannen. Neben Relikten verschiedener Besiedlungsphasen wurden auch Gräber aus vorislamischer Zeit und gar prähistorische Felszeichnungen entdeckt. Kaum verwunderlich also, dass Mauretanien für die Ruinenstadt den Status als UNESCO-Weltkulturerbe anstrebt. Der nächste Ort ist heute das 35 km entfernte Tamchekett. Aoudaghost ist als optionaler Stopp auf einer unserer Südtouren vorgesehen. Es bietet sich an, die Ruinen auf dem Weg zwischen Ayoun el Atrous und Kiffa anzufahren. Dafür sollten ein bis zwei zusätzliche Tage eingeplant werden. Eine Übernachtung vor Ort im Freien ist problemlos möglich. Ähnliche Ziele in Mauretaniens Süden sind Koumbi Saleh und Ksar el Barka. Auch die Altstadt von Ouadane in der Adrar-Region ist für historisch interessierte Besucher absolut sehenswert.


Highlights

  • Ruinen Aoudaghost
  • Tamchakett

Eine Stadt vieler Reiche

Aoudaghost hat seine besten Tage längst hinter sich. Um genauer zu sein: Jahrhunderte hinter sich. Aber wenige Städte können von sich behaupten, eine derart bewegte Geschichte gehabt zu haben wie die einstige Metropole des westafrikanischen Ghana-Reiches, das man früher auch Wagadu nannte. 

Felsmalereien belegen, dass die Geschichte des Ortes bereits vor unserer Zeitrechnung begann. Die Stadt als solche wurde vermutlich von den Lamtuna, einer Stammesgruppe der Sanhadscha-Berber, zwischen dem 5. und 7. Jahrhundert gegründet. Ursprünglich eine unabhängige Marktstadt, wurde Aoudaghost vermutlich im 10. Jahrhundert von den Soninke erobert und kam in den Einflussbereich des Ghana-Reiches.

Zentrum des Transsaharahandels

Ähnlich wie später Oualata stellte der Ort ein Bindeglied zwischen dem Maghreb und dem schwarzafrikanischen Süden dar. Die Handelsrouten verliefen damals vom heute malischen Taghaza bis ins marokkanische Sidschilmasa. Es wird vermutet, dass Aoudaghost zeitweise den wichtigsten westafrikanischen Handelsplatz im Transsaharahandel darstellte. Der Handel von Gold, Sklaven und vielleicht Salz machte die Stadt reich. So beschrieb der islamische Geograf al-Bakri Aoudaghost als einen Ort voller Dattelpalmen und Feigenbäume. Eine Stadt, in der Gurken und Weintrauben angebaut wurden, Schafe und Rinder gezüchtet wurden und Weizenfelder bewässert werden konnten. Doch derartiger Reichtum weckte Begehrlichkeiten und so ist die Hochzeit Aoudaghosts zeitlich eng mit ihrem Niedergang verknüpft.

Aoudaghost - das Troja Mauretaniens?

Das Ghana-Reich wurde zu jener Zeit vor allem von der berberischen Dynastie der Almoraviden bedroht, die schließlich um 1054 unter Ibn Yassin auch Aoudaghost eroberten. Muss eine Eroberung nicht automatisch den endgültigen Niedergang bedeuten, war dies im Falle Aoudaghosts wohl der Fall. Nicht zuletzt der Aufstieg Oualatas führte zum dauerhaften Niedergang der alten Metropolen Aoudaghost und Koumbi Saleh. Beschreibungen aus dem 12. Jahrhundert lassen den Ort nur noch als Dorf erscheinen. Spätestens im 17. Jahrhundert schließlich wurde er vollständig verlassen.

Mehr als 250 Jahre dauerte es, bis 1927 ein französischer Lieutenant sich mit mittelalterlichen arabischen Schriften bewaffnete und die Ruinen von Aoudaghost fand. Die schliemannsche Troja-Methode scheint offenbar auch in Mauretanien ihre Wirkung nicht verfehlt zu haben. Früheste Fundstücke waren glasierte Tonwaren und Schmuck. Spätere französische Ausgrabungen in den 60ern und 70ern entdeckten mehrere Besiedlungsphasen zwischen dem 7. und 11. Jahrhundert. Auch Gräber aus vorislamischer und gar Felszeichnungen aus vorchristlicher Zeit wurden festgestellt.

Auf dem Weg zum Weltkulturerbe

Heute ist die Ausgrabungsstätte noch gut sichtbar. Der künstliche Hügel erstreckt sich über 12 ha. Geschichtete Sandsteine, Säulenreste, Scherben antiker Keramik und Spuren von Metall lassen sich vor Ort begutachten. In der Nähe gibt es jahrtausendealte Felszeichnungen zu sehen. Seit 2001 befindet sich Aoudaghost neben Koumbi Saleh und Azougui auf der UNESCO-Tentativliste. Vielleicht kommt ihnen eines Tages dieselbe Bedeutung wie die bereits zum Weltkulturerbe erklärten Ksour Chinguetti, Ouadane, Tichitt und Oualata.

Aoudaghost liegt abgelegen. Über 100 Kilometer sind es bis zur nächsten asphaltierten Straße, der Route de l´Espoir. Die nächstgrößere Stadt ist das 120 Sandpistenkilometer entfernte Ayoun el Atrous. Hierher kommt sicher niemand zufällig und doch lohnt es sich, da zwischen Nomaden, Oasen und beeindruckenden Naturszenerien eben auch der Weg ein Teil des Ziels sein kann. Wir können auf Wunsch Aoudaghost problemlos in unsere Südtouren einbinden und empfehlen einen eintägigen Aufenthalt mit eventueller Übernachtung im Freien. 


Aoudaghost-Touren

Tagant Aoukar Tour
Zwischen Mali-Reich und Almoraviden – Auf den Spuren des Südens
14 Tag(e)
16 Ziele 
2700
3 Sprachen
Adrar Tagant Aoukar Tour
Viermal Ksour in einer Tour – dazu 3000 km Wüste, Oasen und Felszeichnungen
14 Tag(e)
21 Ziele 
3050
3 Sprachen

Häufig gestellte Fragen (FAQ) zu Aoudaghost

Welches ist die beste Route auf dem Weg nach Aoudaghost?
Es ist sinnvoll, sich Aoudaghost vom Süden her zu nähern. Aus Ayoun kommend, über die Route de l´Espoir Richtung Westen, die Abzweigung hinter Tintante Richtung Norden über Sandpisten, vorbei an Sava und Tamchekett.
Was ist die nächstgelegene Stadt bei Aoudaghost?
Der Ort Tamchekett liegt ca. 35 km in südwestlicher Richtung. Tamchekett selbst hat ca. 2000 Einwohner und verfügt über Restaurants und eine Auberge. Für Besucher Aoudaghosts ist der Besuch unumgänglich.
Bietet ChingiTours auch "Touren nach Maß" Richtung Aoudaghost an?
Absolut. Für beruflich oder privat Interessierte lohnt sich der Weg allemal. Gerne bereiten wir Ihnen dazu ein individuelles Angebot.